Martin Luther

Der Reformator predigte viermal in Gotha und wollte hier begraben sein
Die Skulptur von Martin Luther am gotischen Brautportal der Margarethenkirche wurde 1904 vom Gothaer Bildhauer Christian Behrens geschaffen. (Foto: Matthias Wenzel)

Die Skulptur von Martin Luther am gotischen Brautportal der Margarethenkirche wurde 1900 vom Gothaer Bildhauer Christian Behrens geschaffen. (Foto: Matthias Wenzel)

Die Gothaer Druckschrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen" ist Unesco-Weltdokumentenerbe. (Foto: Matthias Wenzel)

Die Gothaer Druckschrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ ist Unesco-Weltdokumentenerbe. (Foto: Matthias Wenzel)

Dass Gotha zu den bedeutenden Luther-Gedenkorten gehört, ist unstrittig. Nicht von ungefähr befinden sich im Bestand der einstigen Herzoglichen und heutigen Forschungsbibliothek Gotha eine Vielzahl von Lutherdrucken und -handschriften. Die Gothaer Druckschrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ von 1520 wurde 2016 ins Unesco-Weltdokumentenerbe aufgenommen.

Eigenartigerweise entstanden sämtliche Gothaer Lutherehrungen erst nach 1900. In jenem Jahr stiftete der in Gotha geborene und inzwischen in Breslau tätige Bildhauer Professor Christian Behrens (1852-1905) die von ihm geschaffenen Statuen von Luther und Melanchthon für das Portal der Margarethenkirche.

Nur ein Jahr später erhielt eine ganz in der Nähe als Verlängerung der Quer- zur Gartenstraße neu angelegte Straße den Namen des Reformators. Sie ist deshalb die jüngste Straße im Gothaer Stadtzentrum. Prächtige, inzwischen restaurierte Gebäude wie die 1904/05 erbaute Sparkasse und Bürgerhäuser des Architekten Julius Krusewitz (1850-1923) machen sie zu einem der schönsten Straßenzüge der Gothaer Altstadt.

In der Augustinerkirche wurde 1908 anlässlich des 100. Geburtstages des Gothaer Generalsuperintendenten (seit 1850) Dr. August Petersen (1808-1875) eine an ihn und Luther erinnernde Gedenktafel enthüllt. Darauf sind die Luther-Aufenthalte von 1515, 1521 und 1529 erwähnt, als er in der Augustinerkirche predigte.

Die Gedenktafel für Luther im Augustinerkloster von 1908. (Foto: Matthias Wenzel)

Die Gedenktafel für Luther im Augustinerkloster von 1908. (Foto: Matthias Wenzel)

Vom 29. April bis zum 2. Mai 1515 kam Luther als Abgeordneter des Wittenberger Konvents zum Ordenskapitel ins Gothaer Augustinerkloster, wo er eine aufsehenerregende Predigt gegen die mönchischen Laster hielt. Hier wurde er auch zum Distriktsvikar (bis 1518) über zehn Klöster (u.a. Gotha) gewählt. In dieser Eigenschaft stattete er Ende Mai 1516 dem Gothaer Kloster eine nur zwei Stunden dauernde Visitation ab.

Vier Jahre nach dem Thesenanschlag zu Wittenberg machte Luther vom 8. bis 10. April 1521 in Gotha auf seinem Weg nach Worms Rast. Danach musste er bekanntlich auf die Wartburg flüchten. Im Jahre 1529 besuchte er Gotha vor und nach seiner Reise zum Marburger Gespräch. Das Augustinerkloster war inzwischen säkularisiert und die Reformation durch seinen Anhänger Friedrich Myconius (1490-1546) durchgeführt worden.

Als 1911 der Neubau der Realschule in der Eisenacher Straße 5 eingeweiht wurde, erhielt dieser den Namen Arnoldischule, den bislang die 1876 in der Schützenallee erbaute Bürgerschule getragen hatte. Sie erhielt daraufhin den Namen Lutherschule, in der derzeit noch die Volkshochschule ihren Sitz hat.

Schließlich wurde am Reformationstag 2010 auf Betreiben des Vereins für Stadtgeschichte Gotha eine Infotafel am Haus Hauptmarkt 42 enthüllt. Sie erinnert an Luthers Gothabesuch vom 27. Februar bis zum 4. März 1537. Dieser „war der längste, aber auch schmerzenreichste (…), mit dem treuen Myconius unterredete er sich über sein Sterben und das Begräbnis in der Stadt Gotha.“ Letzteres hatte er testamentarisch verfügt. Unter sorgsamster Pflege erholte er sich jedoch bald wieder von seinem Steinleiden und konnte seine Reise fortsetzen.